Let's talk about: Adekan

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Bildcopyright: Tsukiji Nao, EMA, Shinshokan

Okay, zugegeben: Bei der schieren Masse an Manga, die monatlich auf den deutschen Markt strömt, gehen viele davon unter. Nicht nur, dass sich neu lizenzierte Manga gegen ihre ebenfalls neu lizenzierten Konkurrenten durchsetzen müssen, sondern sie stehen auch noch gegen die „alten“ Manga, die in aller Regemäßigkeit veröffentlicht werden. Wer auf ein bestimmtes Genre steht, hat es wahrscheinlich etwas leichter. Wer aber Genre-offener ist, muss wesentlich mehr selektieren, in welche Manga er Geld investiert und welche er links liegen lässt.

Inhalt

Doch manche Manga haben, meiner Meinung nach, einfach mehr Aufmerksamkeit verdient, auch wenn Geschmäcker bekanntlich verschieden sind. Obwohl ein spezieller Manga gerade deswegen für viele Liebhaber etwas bietet:


 

 

Adekan
von Tsukiji Nao
veröffentlicht bei EMA

 
 
 
 
 
 
Seit einiger Zeit lebt Shiro als Schirmmacher in einem kleinen beschaulichen Dörfchen. Wenn er nicht gerade wunderschöne, aber völlig unpraktische Schirme herstellt, vergnügt er sich mit Frauen oder liegt faul und ohne Unterwäsche in der Gegend rum. Eines Tages nimmt sich der Polizist Kojiro seiner an. Will er anfangs aus ihm noch ein vorzeigbares, anständiges und unterwäschetragendes Mitglied der Gesellschaft machen, freundet er sich schnell mit ihm an und kann kaum noch ohne ihn leben. Auch wenn Shiro sich allen Dingen, die Kojiro anstrebt, verweigert - insbesondere was die Unterwäsche angeht. Sehr schnell stellt sich heraus, dass Shiro ein ehemaliger Meister der Anki, der Geheimwaffen, ist.
 
Ausgebildet wurde er von einer Bande, die in vier Bezirke eingeteilt ist. Von dort floh er vor zwei Jahren, seine Gründe werden allerdings lange im Dunkeln gehalten. Die meisten aus dieser Bande haben körperliche Missbildungen und können nur mittels spezieller Drogen überhaupt noch leben. Shiro ist die große Ausnahme: Nicht nur ist sein Körper völlig makellos, sondern ist er auch nicht auf die Drogen angewiesen. Aus diesen und verschiedenen anderen Gründen will die Bande ihn zurückhaben und schickt dazu Anri aus, Shiros „Brüderchen“. Die beiden haben zusammen ihre Kindheit als Ausgestoßene innerhalb der Bande verbracht. Anris Auftauchen verunsichert Shiro. Er ist nicht nur viel stärker geworden, sondern amüsiert sich auch zu gern– besonders sexuell. Doch Shiro hängt mittlerweile schon viel zu sehr an Kojiro, als das er ihn schutzlos zurücklassen könnte und wartet somit geduldig auf den nächsten Schachzug der Bande...
 
 
 
Der Manga läuft unter dem Label „Mystery“, hat aber sehr viele Drama-, Krimi- und Comedyelemente. Ein buntes Konglomerat, das in seiner Mischung hervorragend funktioniert. Sicher werden ebenfalls Boys Love- Fans ihre Freude daran haben. Der „Subtext“ ist so offen, dass er beinahe gar kein Subtext mehr ist. Andererseits ist der Manga gerade wegen seiner verschiedenen Genres nicht nur was für Boys Love- Anhänger. Der Manga überzeichnet vieles geradezu und spielt mit den Elementen, um sich oftmals eher darüber lustig zu machen – gerade was Klischees angeht. Zugegebenermaßen sind die vielen halbnackten Männer vor allem für Frauen etwas für‘s Auge, wenngleich die Mädchen nicht weniger schön sind (dafür jedoch meistens angezogen). 
 
Der Konflikt zwischen der Bande und Shiro sowie Shiros Vergangenheit ziehen sich wie ein roter Faden durch die Reihe, doch sind die Geschichten oftmals episodenhaft gestaltet. So verschwinden zum Beispiel in einer Geschichte viele Mädchen, weswegen, zu Shiros Leidwesen, die Bordelle geschlossen werden. Sofort stachelt er seinen Freund, den „Herrn Wachtmeister“, wie er ihn immer nennt, an, diesen Fall zu lösen und sie landen in einem sehr merkwürdigen Haus, das aus Boxen besteht. Obwohl das Setting und die Geschichten sehr surreal gehalten sind, verbirgt sich oft starke Gesellschaftskritik, jedoch ohne ermahnend oder vor den Kopf gestoßen zu wirken. Im Gegenteil sind sie sehr unterhaltsam und dienen der weiteren Charakterisierung von Shiro und Kojiro.
 
 
 
Man wird natürlich nicht müde, die detaillierten Zeichnungen von Tsukiji Nao zu erwähnen. Gerade ihre Farbbilder brillieren nicht nur durch eben die Farben - in all ihrer schönen und strahlenden Pracht – sondern auch durch die Details: Bilder und Symbole, Schriften und Verzierungen an Häusern oder bei den zahlreichen fantasievollen Outfits, die jedem Cosplayer gleichermaßen Tränen der Freude und der Verzweiflung in die Augen treiben dürften. 
Die Autorin hat bisher zwei Artbooks veröffentlicht, eines dazu speziell zu Adekan: Gokusaisyonen, das die Farbillustrationen zu dem Manga von 2010-2012 inklusive Bonusmanga beinhaltet. Für alle, die schöne Zeichnungen und Farben lieben, ist dieses wärmstens zu empfehlen.
 
Wer einen guten Genremix mit viel Unterhaltung und auch tiefsinnigen Storys möchte, der ist mit Adekan gut bedient.
 
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