Die Kamelie

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Ihre runden Blüten in Rot, Rosa und Weiß betören den Betrachter seit jeher und auch der Westen war ihr irgendwann verfallen: die japanische Kamelie.

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Die Kamelie wird auch „Japanische Rose“ genannt, was nahe liegt, da ihre Blütenform tatsächlich an eine Rose erinnert. Botanisch haben Kamelien und Rosen jedoch wenig miteinander zu tun: Die japanische Kamelie (Camellia japonica) zählt zu den sogenannten Teestrauchgewächsen, wozu auch die Camellia sinensis gehört, aus welcher der uns bekannte Grün- und Schwarztee erzeugt wird.

 

Die Kamelie, im Japanischen „tsubaki“ (椿), stammt aus Ostasien und ist somit, neben Chinas sowie Japans Süden, auch in Nepal, Vietnam und Korea beheimatet. Ihren Weg in den Westen fand sie vermutlich erstmals um 1739 herum in Essex, England. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreitete sie sich dann weiter im europäischen Raum und kam somit auch nach Deutschland. Heute ist die Kamelie ein beliebtes Immergrün in vielen Gärten, denn sie zählt zu den Winterblühern: Je nach Region, Standort und Witterungslage blüht der Strauch im Zeitraum von Januar bis März, manche Sorten sogar bis in den April hinein. Die Sorte Camellia sasanqua, im Japanischen „Sazanka“ (山茶花), beginnt mit ihrer Blüte sogar schon im Herbst, wenn viele andere Pflanzen ihre Blätter fallen lassen.

Die relativ großen Blüten in kraftvollem Rot oder strahlendem Weiß sind daher gern gesehene Farbtupfer zu einer Zeit, in der sonst kaum etwas blüht. Inzwischen gibt es auch Züchtungen in verschiedenen Rosa- und Lachstönen sowie panaschierten Blüten.

Zu den ältesten Kamelienbäumen in Japan zählt ein etwa 500 Jahre altes Exemplar der Sorte Chiritsubaki (散椿), welches auf dem Choraku-ji Tempelgelände in der Präfektur Hyogo anzutreffen ist. Auch ein Baum der Sorte Karakotsubaki (唐子椿) in der Sairin-ji Tempelanlage der selben Präfektur kann schon stolze 200 Lebensjahre vorweisen.
Die nachweislich ältesten Kamelien in Deutschland sind die sogenannte Pillnitzer Kamelie sowie ein Exemplar im sächsischen Roßwein. Beide Bäume werden auf ein Alter von je über 200 Jahren datiert.

In der chinesischen wie auch japanischen Kunst fand und findet die Kamelie nach wie vor großen Anklang: Porzellan und anderes Geschirr wird gerne mit dem Abbild der dekorativen Blüte geschmückt, ebenso Kimonos, zahllose Malereien, Tattoos und Holzdrucke.

Besonders unter den chinesischen und japanischen Adligen war die Kamelie seit jeher sehr beliebt und fand sich oft als Zierpflanze in den Gärten der Anwesen wieder. Während sie in China ein Glückssymbol zum Neujahrsfest ist, vertritt sie in Japan die Symbolik für Freundschaft, Harmonie und Eleganz. Die rotblühenden Arten können darüber hinaus aber auch als Symbol für den Tod stehen, denn wenn die Winterblüher ihre Pracht einzeln fallen lassen während noch Schnee liegt, erinnern die roten Blütenblätter an Blutstropfen auf reinem Weiß.

Früher wie heute wurde das Öl, das aus dem Samen der Pflanze gewonnen wird, als Rostschutzmittel für Messer und Schwerter verwendet. Hierfür halten vorrangig die Arten Camellia oleifera und Camellia sasanqua her, da ihre Samen besonders ölhaltig sind. Auch in der Küche sowie in der Kosmetik findet Kamelienöl Verwendung.

Im Januar und Februar finden in vielen Teilen des Landes Kamelien-Festivals, auf japanisch Tsubaki Matsuri, statt. Je nach Region und Klima schwanken die genauen Daten der Veranstaltungen, die als erste Frühlingsboten gelten. Zu den bekannteren Vertretern dieses Festivals gilt jenes auf der Insel Izu Oshima, etwa 120 Kilometer südlich von Tokyo gelegen. Hier wird der Kamelie von Ende Januar bis in den vorangeschrittenen März hinein gehuldigt, also genau in der klassischen Blütezeit. Neben traditionellen Tanzaufführungen und Paraden gibt es auch einen Schönheitswettbewerb sowie Workshops, welche einem das Färben mit Kamelienblüten näherbringen. Außerdem ist Izu Oshima einer der Orte, an welchem man die seltene, gelbblühende Sorte Camellia kinkacha bewundern kann. Vielleicht eine Entscheidungshilfe für den nächsten Japan-Trip...?

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