Let's talk about: Shiki

Geschrieben von
Bildcopyright: Aniplex, Darks Production, Dentsu Inc., Fuji TV, Shueisha

Ich muss gestehen, ich bin nicht so der wahnsinnige Animegucker. Ich fange selten Anime an und noch seltener gucke ich sie bis zum Ende. Normalerweise lese ich lieber Manga. Doch manchmal stolpert man über eine wahre Perle in der Animelandschaft und man ist so gebannt und fasziniert und gefesselt, dass man kaum aufhören kann, sie zu gucken – in der Regel erst dann, wenn sie zu Ende ist. 

Inhalt

 

 

 

Genau das ist mir mit Shiki passiert.
 

Story: Ono Fuyumi

Manga ab Mai 2013 bei EMA geplant

Shiki ist eine vierundzwanzigteilige Animeserie, basierend auf einem elfbändigen Manga, basierend auf einer zweibändigen Novel. Der Anime orientiert sich allerdings vielmehr an dem Manga, da für diesen einige Charaktere und Konstellationen der Novel geändert wurden. Die Serie vereint einen Mix aus Supernatural, Horror, Mystery und Drama. Die Story stammt von Ono Fuyumi, die Zeichnungen des Manga von Fujisaki Ryu. Auffällig ist dabei der etwas eigenwillige Zeichenstil: Die Haare haben zum Teil sehr groteske Formen und lassen sehr viele Magic Girl und Battleserien alt aussehen, wenn es um den Gegensatz von abstehenden Haaren und Physik geht. Auch die Augen sind sehr auffallend gezeichnet, wirken die Shikis doch geradezu großflächig bis leer, in denen sich bei Verärgerung oder ähnlich starken Emotionen ein dünner Ring bildet. Für einige mag der Stil am Anfang gewöhnungsbedürftig sein, andere finden ihn sofort faszinierend, auf jeden Fall ist er passend für diese Serie und bald nimmt man das einfach als gegeben hin.

 
 
Was macht Shiki nun aus?
 
 
Die Handlung
 
Alles beginnt an einem sommerlichen und heißen Tag, als in Yamairi ein paar alte Leute sterben und das Fleckchen damit menschenleer ist. Yamairi ist Teil des Dorfes Sotoba, einem circa 1.300 Menschenseelen beherbergenden kleinen Nest, umgeben von einem Wald. Die Holzproduktion (insbesondere Särge!) ist damit der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Ansonsten ist Sotoba ziemlich abgeschnitten vom Rest der Welt. Es führt eine Schnellstraße am Dorf vorbei und es gibt eine Buslinie, welche die Kinder zur Schule bringt oder die Erwachsenen zur Arbeit in die nächstgrößere Stadt, was zugegebenermaßen nicht gerade viele sind. 
 
 
Die Ruhe im Dorf wird kurzzeitig gestört, als mitten in der Nacht ein Umzugswagen hält: Das Kanemasa Haus, ein altes Herrenhaus im europäischen Stil, welches etwas abseits und erhöht auf den Berghängen errichtet wurde, bekommt neue Bewohner: Die Kirishikis, bestehend aus einer dreiköpfigen Familie (Mutter, Vater, Tochter) und zwei Dienern. Die Mutter und die Tochter leiden an einer Krankheit, die sie sehr empfindlich gegen Licht macht, weswegen sie das Haus tagsüber nicht verlassen können. Doch der Trubel geht schnell vorbei, als Megumi verschwindet - ein fünfzehnjähriges Mädchen mit pinken Haaren, das, sehr zum freudigen Spottwesen der Rentner, auffällig gekleidet ist. Eines ihrer liebsten Beschäftigungen war es, den vor einem Jahr in das Dorf gezogene Natsuno Yuuki zu stalken. Als sie gefunden wird, macht sich zunächst Erleichterung breit, die jedoch nicht lange währt: Sie stirbt. Der Arzt des Dorfes, Toshio Ozaki, kann sich darauf keinen Reim machen. Als Diagnose hatte er Anämie gestellt, an der man für gewöhnlich nicht innerhalb von drei Tagen stirbt. Die Familie ist entsetzt, Natsuno erleichtert, immerhin kann er jetzt beim Lernen das Fenster wieder aufmachen, ohne dass ihn Megumi aus den Büschen beobachtet. Doch irgendwie lässt ihn das Gefühl nicht los, sie wäre noch immer da. Er hat den Eindruck, sie zu sehen und nach wie vor von ihr beobachtet zu werden. Er kann nicht schlafen und quartiert sich deswegen bei seinem besten Freund Toru ein. Nach einer guten Nacht folgen weitere schlechte und wenig später ist Toru ebenfalls tot.  
 
 
Die beiden Jugendlichen sind nicht die einzigen. Die Bewohner des Dorfes scheinen einer nach dem anderen innerhalb von nur ein paar Tagen zu sterben. Toshio ist überfragt und tippt zunächst auf eine Epidemie, deren Auslöser und Heilung er nicht genau bestimmen kann. Er weiß, sie kommt plötzlich, begleitet von einer Anämie und führt innerhalb von drei bis vier Tagen zum Tod. Auch seinem besten Freund, Seishin Muroi, kommt das Ganze seltsam vor. Als Priester muss er immer öfter Sutren für die Bewohner des Dorfes lesen. Bald bekommt er abends immer Besuch in einer kleinen Kapelle, in die er sich gerne zum Nachdenken zurückzieht und um seiner Melancholie Vorschub zu leisten. Sunako, die Tochter der Kirishikis, entpuppt sich als Fan seiner Romane. Sie fragt ihn nach einem Autogramm und danach, an was er diesmal arbeitet. Es ist eine Geschichte über zwei Brüder, von denen der eine gut ist und Leben bringt und der andere schlecht ist und Tod wirkt. Der Titel der Geschichte lautet „Shiki“, was so viel bedeutet wie „Leichendämon“.  
 
Es dauert nicht sehr lange, bis diese drei jungen Männer, Natsuno, Toshio und Seishin, unabhängig zu dem Ergebnis kommen, dass im Dorf etwas Seltsames vor sich geht. Etwas, das es eigentlich gar nicht geben dürfte: Vampire. Seishin ist dabei noch am nächsten dran, denn ihm wird sehr schnell klar, dass Sunako zu ihnen gehört. Unfreiwillig wird er zum Namensgeber dieser neuen Art von Menschen, denn Sunako adaptiert den Namen „Shiki“ für ihresgleichen.
 
 
Während Natsuno und Toshio versuchen, gegen die Shiki vorzugehen, wobei beide von Tatsumi, dem „Butler“ der Kirishikis, der sich als Werwolf entpuppt, in ihre Schranken verwiesen werden, stellt sich Seishin auf die Seite Sunakos, wenngleich er sie nicht aktiv unterstützt. 
Toshio entwickelt perfide Methoden, nicht nur um herauszufinden, wie man die Shiki zerstört, sondern auch um das ignorante Dorf auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Doch es werden immer mehr von ihnen, denn ihr Ziel ist es, das ganze Dorf zu verwandeln...
 
 
 
Anime und Manga
 
 
Handlungstechnisch sind Anime und Manga in den wesentlichsten Punkten und im Verlauf identisch, aber natürlich ist der Manga detaillierter und stopft auch so einige Logiklöcher und „Hä?“-Effekte, die beim Anime derweil mal auftauchen. So gibt es zum Beispiel eine Stelle, an der Sunako und Chizuru am Fenster stehen und winken. Einige Episoden darauf wird aber erklärt, dass sie bei der Dämmerung in Schlaf fallen und gar nicht aufwachen, bis die Sonne wieder untergeht (oder sie sterben - Schmerzen und der bevorstehende Tod sind ein gutes Weckmittel). Man fragt sich also, wie das möglich ist, der Manga dagegen gibt sofort die Antwort: Einige der Werwölfe haben sich verkleidet. Auch die Beziehungen mancher Charaktere kommen im Anime zu kurz (beispielsweise Toshios Verhältnis zu seiner Frau), worunter leider manchmal das Nachvollziehen des Verhaltens mancher Charaktere leidet. Obwohl man sagen muss, dass manche Szenen dadurch mitunter nur noch (im positiven Sinne) grotesker und schockierender wirken. Deswegen fehlen aber auch einige Hintergründe, Murois Gründe zu den Shiki fehlen im Anime fast völlig. Dafür konzentriert sich dieser auf einen anderen Aspekt: Muroi und Sunakos philosophische Gespräche über Gott, Leben und Tod wirken im Anime viel ausgedehnter, gehaltvoller und zentraler. Im Zuge dessen erhält auch Sunako in der TV-Serie viel mehr Präsenz, als sie im Manga zu haben scheint.
 

Dort wirkt sie oftmals unnahbar, wenig charakterisiert und vor allem unsympathisch. Der Anime hingegen bietet ihr in ihren philosophischen Gesprächen genug Raum, ihre Beweggründe und Weltansichten darzustellen. Man leidet an einigen Stellen sogar mit ihr mit. Natürlich wirkt dabei die ganze Atmosphäre: Die Musik, Sunakos kindliche Stimme und ihr enges Verhältnis zu Muroi, das im Anime um einiges tiefer wirkt als im Manga. 
 
 
Im Anime gibt es einen regelrechten Bruch, der im Manga weniger drastisch rüberkommt, weil dort Sunako teilweise anders charakterisiert wird. Zunächst einmal sieht man, dass die Shiki das Dorf regelrecht auszurotten versuchen, immer mehr Leute sterben und Toshio versucht verzweifelt, die Dorfbewohner auf das Geschehen aufmerksam zu machen. Dann konzentriert sich der Anime nach Murois Entscheidung sehr stark auf ihn und Sunako, sodass man hin und her gerissen scheint. Als der Kampf gegen die Shiki schließlich eingeleitet wird, tun einem diese leid, da sie regelrecht abschlachtet werden.
 
Während Sunako weint, dass sie nur einen friedlichen Ort zum Leben und ohne Angst vor Verfolgung gesucht haben, an dem sie frei auf der Straße wandeln können. Wenn man sich ihre Beweggründe anhört, sind sie verständlich und nachvollziehbar. Umso weniger verständlich sind ihre Methoden, obwohl sie weiß, dass diese nicht ganz korrekt sind. Im Manga dagegen ist die Darstellung nicht so fein. Weder bereut Sunako irgendetwas, noch scheint sie Fehler zu sehen. So alt und trotzdem ein etwas naives, kindliches Wesen. 
Nun können nicht alle Menschen zu Shiki werden. Die Serie verfolgt den Ansatz, dass es mit Genetik zu tun hat: Kann man deine Mutter verwandeln, ist die Chance groß, dass du auch ein Shiki werden kannst. Kann man das nicht und spricht auch dein Vater nicht darauf an, wirst du mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls kein Shiki werden. So passiert es, dass teilweise ganze Familien ausgerottet werden, während andere ihr Dasein als Shiki weiterfristen. Auch ist die Verwandlung kein Allheilmittel: Was krank war, ist auch danach krank, für immer. 
 
 
Die Shiki als die „Bösen“ und die Menschen als die „Guten“ funktioniert allerdings nur für recht kurze Zeit. Gerade zum Ende hin merkt man, dass Natsunos und Megumis vermeintlich pubertäre Haltung gegenüber des „vertrockneten“ Dorfes allen Grund hat: Die meisten scheinen engstirnig und urteilen nicht nur vorschnell, sondern auch in einem schwarz-weiß Schema, in der Freundschaft und Familie keine Bedeutung mehr haben. Schnell fragt man sich, ob die Menschen wirklich so viel besser als die Shiki sind (Zyniker würden an der Stelle behaupten, dass beide sich verdient haben). Es ist kein Zufall, dass viele der wichtigen Personen eine Abneigung gegen dieses Dorf hegen.
 
Für zarte Gemüter ist Shiki jedoch nichts: Es sterben sehr viele Personen und viele davon nicht gerade auf eine angenehme Weise, sprich äußerst brutal, sodass das Blut in Strömen fließt.
Für diejenigen, die nichts dagegen haben (oder drüber hinwegsehen können) eröffnet sich ein Anime, der handlungsreich, spannend und philosophisch ist und sorgfältig ausgearbeitete Charaktere besitzt. Eine Geschichte, die einen in den Bann zieht und wohl zu den besten (und besseren) Vampirstorys der letzten Jahre zählt.
Der Manga ist ab Mai 2013 bei EMA im zweimonatlichen Rhythmus geplant, sodass geneigte Leser durchaus mal reinschnuppern können und sollten.
 
 
 
Die Charaktere
 
Shiki ist eine Serie, in der eine ganze Menge Charaktere vorkommen – im Prinzip das ganze Dorf. Manche haben dabei eher kleinere Rollen, manch andere werden im Verlauf erst wichtig und zugegebenermaßen verabschiedet sich auch eine ganze Menge wieder.
 
Stellen wir doch einfach mal die wichtigsten Charaktere vor:
 
Toshio Ozaki
Der erste Hauptcharakter ist der Arzt von Sotoba, der (unfreiwillig) den Familienbetrieb seines Vaters geerbt hat. Als Kettenraucher und Zyniker mit Dreitagebart hasst er eigentlich das Dorf. Als Arzt liegt ihm aber viel an den Menschen und so ist er einer der ersten, der mit der neuen Krankheit in Berührung kommt. Er ist frustriert, als ihm einer nach den anderen unter der Nase wegstirbt. Schließlich hat er einen Verdacht und als er die Beweise sucht, wird ihm recht offen demonstriert, dass er nicht die geringste Chance gegen die Shiki hat. Als er weiß, was sie sind, sinniert er darüber nach, wie er es ihm diesen verschlafenen, ignoranten und naiven Bewohnern klar machen soll – bis er Hilfe von unerwarteter Seite bekommt.
Er wirkt sehr grummelig und exzentrisch, ist emotional, besitzt aber gleichzeitig einen scharfen Verstand, was ihn zu einem der interessantesten Charaktere des Animes macht.
 
 
Natsuno Yuuki/Koide 
Der zweite Hauptcharakter des Anime ist ein sechzehnjähriger Schüler. Seine Eltern sind erst vor kurzem nach Sotoba gezogen und er hasst dieses Nest. Er ist durch und durch ein Stadtkind und will wieder dorthin zurück, seine einzige Chance ist für ihn, die Aufnahmeprüfung einer Uni zu schaffen. Von Megumi fühlt er sich belästigt und verfolgt (...weil sie es auch tut) und als sie stirbt, empfindet er mehr Erleichterung als alles andere. Nicht, dass er seine Gefühle großartig äußern würde. Außer seinem abweisenden Verhalten oder Verärgerung zeigt er kaum Emotionen. Trotz allem verbindet ihn eine tiefe Freundschaft zu Toru (in die BL Fans gern sehr viel mehr hineininterpretieren) und dessen Tod treibt ihn an, herauszufinden, was eigentlich in Sotoba passiert. Er will die Shiki unbedingt loswerden, auch wenn es seinen eigenen Tod bedeutet. Für einen Jugendlichen ist er zielstrebig und entschlossen, aber ebenso starrköpfig. 
Warum seine system- und gesellschaftskritischen Eltern ausgerechnet in ein Dorf (das eher für Konservatismus und wenig Progressivität bekannt ist) ziehen, bleibt das Geheimnis der Autoren – verständlich ist das nicht.
 
Im Manga sind nur Toshio und Natsuno die Hauptcharaktere, es gibt aber vor allem im Anime noch einige weitere wichtige Handlungsträger, die ich an der Stelle vorstellen will:

 
Seishin Muroi
Im Gegensatz zu seinem besten Freund Toshio ist er sehr ruhig, zurückhaltend und introvertiert. Ähnlich wie dieser musste er die Aufgaben und die Arbeit seines Vaters fortführen, seit der nach einem Schlaganfall ans Bett gefesselt ist. Ob er will oder nicht scheint keine Rolle zu spielen, er übernimmt die Rolle des Priesters des Dorfes, schreibt jedoch weiterhin Romane, was seine mehr oder minder geheime Leidenschaft ist. Keiner würde vermuten, dass dieser junge, liebevolle Mann das Dorf noch mehr als Toshio wie die Pest hasst und sich manchmal wünscht, es würde vom Erdboden verschwinden. In Sunako sieht er so etwas wie eine Seelenverwandte, denn sie durchschaut ihn, seinen Hass, seine Trauer, gefangen in den Konventionen dieses Dorfes und dem Drang, seinen Eltern zu gefallen.

 
Sunako Kirishiki 
Sunako ist, zumindest optisch, ein circa zwölf Jahre altes Mädchen. Tatsächlich dürfte sie schon einige Jahrhunderte alt sein. Sie ist die Anführerin der Shiki, die ein besonderes Verhältnis zu Chizuru, in der sie fast eine Tochter sieht und Tatsumi pflegt. Sie philosophiert viel über Gott und das Verhältnis der Shiki zu Gott (oder zumindest ihrer eigenen Existenz). Sunako will vor allem eines: Leben - und das in Freiheit, ohne Angst vor Verfolgung und Hass haben zu müssen. Ihre Methoden sind dabei aus Sicht der Menschen moralisch als verwerflich einzustufen. Mit Seishin verbindet sie nicht nur der Hang, über Leben und Tod nachzudenken, sondern auch die Verachtung der ignoranten Moralvorstellungen und eingeengten Konventionen der Menschen.
 
 
Tatsumi
Tatsumi ist eigentlich „nur“ ein Nebencharakter, der nichts desto trotz eine sehr wichtige Rolle in der Handlung spielt. Als „Werwolf“ kann er im Gegensatz zu den Shiki auch tagsüber umherlaufen und ist nicht auf Blut angewiesen. Auch wenn sich seine sowieso schon übermenschlichen Kräfte durch jenes verstärken. Er ist durch und durch ein Nihilist und schloss sich Sunako an, weil sie ihn faszinierte. Tatsumi ist derjenige, der eigentlich die ganzen Operationen der Shiki leitet und anführt und Sunakos persönlicher Bodyguard. Als Werwolf ist er sehr gut gebaut, was vor allem im Manga immer wieder gern in Szene gesetzt wird. Ohne seine tatkräftige Unterstützung wäre wenig von dem möglich gewesen, was die Shiki in Sotoba anrichten. Er hat keine Skrupel bei irgendetwas, läuft aber meist ziemlich locker-lässig mit einem Lächeln im Gesicht und fröhlichem Ton durch die Welt, als wäre er jedermanns bester Freund.
 
 
Die Musik
 
Ich muss sagen, ein gutes Opening macht schon viel aus, denn wenn es gut ist (und vor allem passend), kann es neugierig machen. So neugierig, dass man den Anime unbedingt sehen will. Das erste Opening von „Shiki“ stammt von niemand geringeren als Buck-Tick. „Kuchizuke“ ist ein düsterer aber gleichzeitig unheimlich melodischer und anziehender Song. Im Video werden gleichzeitig die meisten Charaktere (insbesondere natürlich die wichtigsten) vorgestellt – und wortwörtlich in einem Rutsch bis auf die Knochen entkleidet. Lächelnde Skelette sind schon etwas Feines. Das erste Ending dagegen, „Walk no Yakusoku“ von Nangi, passt weder musikalisch, noch von den Bildern zum Anime. Zum einen sieht man ein Blumenmeer mit strahlend blauem Himmel, durch das Sunako wandelt - ziemlich absurd. Zum anderen klingt der Song nasalig plätschernd, nichtssagend. Ähnlich wie die Bilder.
 
Das zweite Opening der Serie stammt von Kanon x Kanon, die mit „Calendula Requiem“ bewiesen haben, dass sie auch gute Musik fernab von 0815 Pop wie bei ihrer zweiten Single „Koi no doutei“ machen können. Kanons helle, klare und fast schon verzweifelt klingende Stimme, gepaart mit Sunakos Händen, die Wasser empfangen und es in Blut verwandeln, das dann ebenfalls durch die Hände der anderen rinnt. Das Opening ist von den Farben und auch von der Musik her wesentlich heller als sein Vorgänger, doch spricht es auch andere Aspekte an: Die entgleisenden Gegensätze ehemaliger Freunde und Beziehungen, die aufgrund der Geschehnisse zerbrechen.
Das Ending stammt dafür wiederum von Buck-Tick, welches die ebenso melancholisch-traurige wie wunderschöne Ballade „Gekka Reijin“ ist. Einige Charaktere des Anime werden in einer surrealen Umgebung nackt gezeigt. Diese Umgebung sieht aus wie ein pink-rotes Meer, umgeben von einem Blätterwald, als wäre jede Hoffnung vergebens.
 
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Openings und Endings bilden allerdings nur den Rahmen, den man, wenn nötig, getrost ignorieren kann, wenn man das wünscht – auch wenn man es in diesem Fall nicht tun sollte. Nichts desto trotz ist die Musik im Anime wesentlich wichtiger. Es gibt Musik, die ist so langweilig, dass man sie kaum wahrnimmt. Positiv ausgedrückt, ist sie sehr angepasst. Es gibt auch Musik, die stört, weil sie atmosphärisch gar nicht passt oder gar an den falschen Stellen eingespielt wird.
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Bei Shiki ist das nicht der Fall. Für die Musik zeigt sich Takanashi Yasuharu verantwortlich, dessen Musik immer punktgenau passt. Von melancholisch-spirituell, wenn Seishin und Sunako ihre Debatten führen, über verzweifelte Töne, wenn es um die Zukunft des Dorfes geht. Allgemein dominieren die Streicher und Klavier, die in ruhigen, sanften Tönen das Geschehen in vielfältiger Weise illustrieren. Dabei bleibt es natürlich nicht und so gibt es auch viele Stücke, die Beklemmung auslösen, Angst, Fluchtgedanken untermalen oder die Wut und den Kampfgeist darstellen; aber auch Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck bringen. Immer passend zur jeweiligen Atmosphäre, die binnen weniger Augenblicke umschlagen können. Auch ohne Anime sind die siebenundzwanzig Tracks ein Hochgenuss.

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