Loudness

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Bildcopyright: Loudness

Loudness waren eine der ersten Hard Rock-Bands Japans, die sich auf internationaler Ebene beweisen konnten. Trotz mehrerer Schicksalsschläge gaben sie in den dreißig Jahren ihres Bestehens nie auf und sind heute noch aktiv.

Profil

Die Geburtsstunde von Loudness ist zurückzurechnen auf den Mai des Jahres 1981. Wenige Monate zuvor trennte sich die Band Lazy, in welcher Gitarrist Akira Takasaki, Bassist Hiroyuki Tanaka und Drummer Munetaka Higuchi tätig waren. Da diese drei Jungs aber weiterhin Musik machen wollten, kam es zur Gründung von Loudness. Bassist Hiroyuki hielt es jedoch nicht lange dort und er stieg bald schon wieder aus, woraufhin seine Position fortan mit Masayoshi Yamashita, einem alten Freund von Akira, besetzt wurde. Auch ein Sänger wurde schließlich gefunden – dies war niemand anderes als Minoru Niihara, der zuvor bei der Rockband Earthshaker sowohl für den Gesang als auch den Bass verantwortlich gewesen war.

 

Mit diesem Line-Up unterschrieb man nun einen Plattenvertrag bei Nippon Columbia und schon im November des selben Jahres erschien bereits ihr Debut-Album „The Birthday Eve“. Und obwohl die Hardrock- und Heavy-Metal-Szene in Japan zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen steckte, konnte sich das Album sowie die damaligen Konzerte großer Beliebtheit erfreuen. Von diesem Erfolg angespornt, folgten die nächsten Album-Veröffentlichungen ziemlich rasch. Parallel dazu fand Gitarrist Akira sogar noch die Zeit, sein erstes Solo-Album „Tusk of Jaguar“ im Frühjahr 1982 zu veröffentlichen, auf welchem seine Bandkollegen ebenfalls vertreten sind.

1983, nach Erscheinen ihres dritten Longplayers „The Law of Devil's Land“, begaben sich die Jungs zum ersten Mal auf U.S.-Tournee und nahmen gleich im Anschluss auch noch Europa mit. Ebenfalls in Europa fanden auch die Aufnahmen zu ihrem nächsten Album „Disillusion“ statt, welches '84 in zwei Versionen erschien: Ein Mal mit den gewohnten japanischen Texten – und ein Mal mit englisch eingesungenen Texten. Dies sollte ihren internationalen Durchbruch zusätzlich unterstützen. Und der ließ auch nicht mehr lange auf sich warten. 1985 erhielten sie einen Plattenvertrag bei Atco Records, womit sie die erste japanische Rockband waren, die solch einen großen Schritt außerhalb ihres Landes machten. Das daraufhin entstandene „Thunder in the east“-Album war ihre erste US-Veröffentlichung und kletterte bis auf Platz 74 in den Billboard-Album-Charts. Einen gehörigen Teil dazu beigetragen hatte sicherlich die ausgekoppelte Single „Crazy Nights“. Mit dem darauffolgenden Album „Lightning Strikes“, welches in Japan unter dem Titel „Shadows of War“ und mit leicht veränderter Tracklist erschien, sollte es sich noch besser verhalten: Dieses kletterte bis auf Platz 64 der Billboard-Album-Charts und garantierte ihnen endgültig internationales Ansehen. Doch hat eine Goldmedaille stets zwei Seiten und die bekamen sowohl die Band als auch die Fans deutlich zu spüren: Durch ihren stetig wachsenden Erfolg in den USA wurden Loudness dazu gedrängt, einen massentauglicheren und kommerzielleren Sound einzuschlagen, was man z.B. bei der Single „Let it go“ sehr deutlich hören kann. Dies gefiel wiederum den japanischen Fans nicht so gut und ein Teil von ihnen wandte sich von der Band ab.

1988, nachdem ihre EP „Jealousy“ auf den Markt kam, wurde Sänger Minoru gefeuert. Grund hierfür war Produzent Max Norman, der die Ansicht vertrat, mit einem englischsprachigen Sänger würde man noch bessere Erfolge für die Band erzielen können. Die Wahl fiel auf Mike Vescera, der zuvor bei Obsession das Mikro in der Hand hielt. Minoru hingegen arbeitete in der Heimat weiterhin als Sänger, schloss sich Ded Chaplin, Sly und XYZ→A an. Zudem veröffentlichte er '89 ein Solo-Album.
Mit Vescera im Boot nahm man zwei Alben auf und begab sich wieder auf Tournee, doch die erhofften Verkaufszahlen blieben aus. Zudem traten beständig immer mehr der japanischen Fans den Rückzug an, spürten sie offenbar, dass Loudness nicht mehr die Band zu sein schien, mit der sie sich ursprünglich verbunden gefühlt hatten.
Während ihrer '91er Tour verließ Sänger Vescera kurzerhand das zu sinken drohende Boot. Man konnte für ihn schnellen Ersatz im E.Z.O-Sänger Masaki Yamada finden, aber der Markt im Bereich Rockmusik veränderte sich zu diesem Zeitpunkt durch das Aufkommen von Grunge so dermaßen, dass Bands wie Loudness auf internationaler Ebene einfach nicht mehr gefragt waren. Der alte Trend lief aus und ein neuer hatte bereits eingesetzt.

 

1992 verließ Bassist Masayoshi die Band und an seine Stelle trat Taiji Sawada, der erst wenige Monate zuvor die Band X (später X Japan) verlassen musste. Der allgemeine Sound der Band wurde um diesen Zeitraum herum deutlich aggressiver als noch zu ihren US-Zeiten. Aber weder das neue Line-Up noch der neue Sound konnten Loudness zu neuem Aufschwung verhelfen. Ganz im Gegenteil, es sollte noch kritischer werden und das Überleben der Band in Frage stellen: 1993 verließ Taiji die Jungs bereits schon wieder, um seine eigene Band D.T.R zu gründen. Auch Munetaka entschied sich für einen Ausstieg bei Loudness und einem Einstieg bei Sly. Somit blieb Akira als einziges Mitglied der Ursprungsbesetzung übrig. Dieser nahm sich nun eine kleine Auszeit und reiste nach Indien, um sich ausführliche Gedanken um das Fortbestehen der Band zu machen. Er konnte schließlich Masaki davon überzeugen, bei Loudness zu bleiben und gemeinsam überredeten sie den Drummer Hirotsugu Homma, zuvor ebenfalls bei E.Z.O tätig gewesen, ihnen beizutreten. Zu dritt nahmen sie das '94er Album „Heavy Metal Hippies“ auf und um in einer vollständigen Besetzung auf Tour gehen zu können, holte man noch den Bassisten Naoto Shibata ins Boot, der zuvor bei der Band Anthem aktiv war. Bis zum Ende der Neunziger veröffentlichte man in dieser Besetzung drei Studio- sowie ein Live-Album.

 

Im Jahre 2000 entschied man sich dafür, das Original-Line-Up von Loudness wieder zusammen zu trommeln. Das bedeutete natürlich auch ein Ausscheiden für Masaki, Hirotsugu und Naoto. 2001 erschien das Album „Spiritual Canoe“ und man feierte 20jähriges Bandbestehen inklusive einer Japan-Tour. Ursprünglich war die Vereinigung der Urbesetzung nur als einmalige Aktion geplant, doch die Reaktionen der Fans war so positiv und überwältigend, dass Loudness sich kurzerhand dazu entschlossen, gemeinsam doch weiter zu machen. Die japanischen Fans dankten es ihnen aus vollem Herzen und ihre Popularität im eigenen Lande begann langsam wieder an alte Zeiten zu erinnern. Abermals versuchte man, sich auch wieder dem internationalen Markt anzubieten und veröffentlichte die Alben „RockShocks“ und „Racing“ (beide 2004) parallel mit englischen Texten. Auch eine internationale Tour wurde absolviert. Doch im April 2008 legten Loudness urplötzlich eine Pause ein. Grund hierfür war eine Leberkrebserkrankung von Drummer Munetaka. Als die Band im Herbst des selben Jahres gemeinsam mit Mötley Crüe in der Saitama Super Arena spielte, saß aushilfsweise Kozo Suganuma (Fragile, Ded Chaplin) hinter den Drums.


Munetaka kämpfte hart gegen den Krebs an und blieb stets zuversichtlich, dass er es schaffen und zurück auf die Bühne kommen würde. Doch trotz aller Mühen hatte er den Kampf am Morgen des 30. Novembers 2008 verloren.

Trotz des schweren Verlusts entschied sich die Band weiterzumachen. Im Frühjahr 2009 erschien das Album „The Everlasting“; die Drumaufnahmen zu diesem Longplayer stammen noch aus Lebzeiten Munetaka's. Nur kurze Zeit später teilte Loudness ihren Fans mit, dass von nun an Masayuki Suzuki der neue Mann hinter den Drums sei. Das wurde auch auf ihrer darauffolgenden Scheibe „King of Pain“, die im Mai 2010 das Licht der Welt erblickte, demonstriert.

Trotz mehrerer Schicksalsschläge zeigen Loudness doch immer wieder auf ein Neues, dass sie nicht klein zu kriegen sind. Genau aus diesem Grunde überzeugen sie als Band und man kann jetzt schon gespannt darauf sein, was sie sich als Nächstes ausdenken.

Musikstil

In ihren Anfangsjahren vertraten Loudness einen soliden, leicht verdaulichen Hardrock-Sound. Aber schon damals wurde man schnell auf Akira's umfangreiches Können an der Gitarre aufmerksam, für welches er in der Szene noch heute verehrt wird. Munetaka's Drums und Masayoshi's Bass boten stets einen soliden musikalischen Ramen und Minoru's hohe aber kraftvolle Stimme passte somit ideal ins Bild.
In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, als sie sich zeitweilig dem Sound ihrer amerikanischen Kollegen ihres Genres anpassten, ging der ursprüngliche Loudness-Charakter ein Stück verloren. Die Lieder erhielten teilweise einen abgerundeteren, leicht poppigen Klang, in den die Stimme des Amerikaners Mike Vescera wiederum gut hinein passte.
Nach dieser Phase schlugen sie deutlich härtere Töne an, was zum Teil auch mit dem damaligen Line-Up-Wechsel in Verbindung stehen kann. Es schwang für eine Weile auch eine gewisse Schwere in den Songs mit, die dem Grunge-Rock gleichkam.
Nach dem Tod des Schlagzeugers Munetaka setzten Loudness zeitweilig besonders stark auf rhythmuslastige Lieder, um somit ihren neuen Drummer Masayuki zu präsentieren.

Im Großen und Ganzen kann man die unterschiedlichen Stadien, die die Band durchlaufen hat, wunderbar an ihrer Musik wiedererkennen. Eine Weiterentwicklung ist stets zu beobachten und von Stagnation kann nicht die Rede sein.

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