Gion Matsuri – Kyôtôs Ein-Monat-Festival

Geschrieben von Bettina

Das Gion-Matsuri (祇園祭) findet in Kyôtô statt und ist eins der bekanntesten Feste in Japan. Es wird den ganzen Juli über am Yasaka-Schrein (auch als Gion-Schrein bekannt) gefeiert und durch eine Parade am 17. und 24. Juli gekrönt. Seinen Namen verdankt das Fest Kyotos Distrikt „Gion“.

Inhalt

Der Ursprung des religiösen Festivals reicht bis ins Jahr 869 zurück. Dort wurde es abgehalten, um den Shinto-Gott von fruchtbarer Erde, Meer und Sturm, „Susanoo“ (須佐之男), zu besänftigen, welcher angeblich die Pest, Erdbeben, Flutwellen, schwere Stürme und Missernten im ganzen Land heraufbeschworen hatte.
Noch heute wird beim Gion-Matsuri ein Junge aus der Region ausgewählt, der als göttlicher Übermittler dient. Dieser darf ab dem 13. Juli keinen Fuß mehr auf den Boden setzen, da dieser ja unrein ist, bis er durch die ganze Stadt getragen wurde. Das ist erst am 17. Juli bei der großen Parade der Fall.



Über dreißig Veranstaltungen gibt es während des Festivals.
Vom 1. bis 5 Juli: „Kippuiri“, die Eröffnungszeremonie zum Festival. Sie wird in jeder Nachbarschaft abgehalten, die am Fest teilnimmt.
Am 2. Juli: „Kujitorishiki“, die Auslosung der Parade-Aufstellung. Hier entscheidet sich, in welcher Reihenfolge die Motivwagen bei der Parade starten dürfen. Die Auslosung findet in der Gemeindehalle statt.
Am 7. Juli: Schreinbesuch des „Ayagasaboko-Chigo-Kindes“. Das ausgewählte Vermittler-Kind erscheint in prachtvoller Kleidung und wird für den Wagen mit dem goldenen Phönix vorbereitet.
Am 10. Juli: Die Laternen-Parade, um die Mikoshi (tragbare Schreine) willkommen zu heißen. Außerdem wird „Mikoshi arai“ abgehalten, das Reinigen der Mikoshi mit dem heiligen Wasser des Kamo-Flusses.
Vom 10. bis 13. Juli: Die Parade-Motivwagen werden aufgebaut.
Am 13. Juli (morgens): Schreinbesuch des „Naginatoboko-Chigo-Kindes“.
Am 13. Juli (abends): Schreinbesuch des „Kuse-Schrein-Chigo-Kindes“.
Am 14. Juli: „Yoiyoiyoiyama”, die Motivwagen werden zur Besichtigung aufgebaut und es gibt mehrere kleine Feste und Veranstaltungen.
Am 15. Juli: „Yoiyoiyama“ (siehe Yoiyoiyoiyama).
Am 16. Juli: „Yoiyama” (siehe Yoiyoiyama). Außerdem gibt es die „Yoimiya shinshin hono shinji“, eine hingebungsvolle Kunst-Vorstellung.
Am 17. Juli: Das „Yamaboko Junkō“ (Yamaboko-Motivwagen-Parade). Außerdem fährt die „Parade der Mikoshi“ vom Yasaka-Schrein in die Stadt.
Vom 18. bis 20. Juli: Aufbau/Aufstellen der Motivwagen.
Am 21. Juli: „Yoiyoiyoiyama” (Zweite und letzte Parade)
Am 22. Juli: „Yoiyoiyama” (Zweite und letzte Parade)
Am 23. Juli: „Yoiyama” (Zweite und letzte Parade)
Am 24. Juli: Die „Yamaboko-Motivwagen-Parade“ (Zweite/Letzte Parade). Außerdem ziehen die „Hanagasa-Parade“ (Parade der Blumenschirme) und die „Parade der Mikoshi“ aus der Stadt zum Yasaka-Schrein zurück.
Am 28. Juli: „Mikoshi arai“, die erneute Reinigung der Mikoshi mit heiligem Wasser des Kamo-Flusses findet statt.
Am 31. Juli: Abschlusszeremonie am Eki-Schrein.



Höhepunkt des Festes ist das „Yamaboko-Junkō“, bei welchem mehr als dreißig Motiv-/Festwagen in einer Parade durch die Stadt ziehen. Die mit Wandteppichen aus der ganzen Welt geschmückten und verzierten Wagen werden „Yama“ und „Hoko/Boko“ genannt, daher kommt auch der Name des Umzugs.
Es gibt neun bis zehn der größeren „Hoko/Boko“ (Langstock/Hellebarde), welche die sechsundsechzig Speere, die im ursprünglichen Reinigungsritual verwendet wurden, repräsentieren. Von den kleineren „Yama“ gibt es dreiundzwanzig, hier werden lebensgroße Figuren von berühmten und wichtigen Menschen getragen.
Diese Prozession ist von der UNESCO sogar zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ ernannt worden.
Neben den „Chigo-Kindern“ fahren auch andere Kinder und Erwachsene auf den Wagen mit und machen mit Pfeifen und Glocken Musik, um die Stimmung anzuheben.
Am Abend folgt dann das „Shinkosai“, also die „Parade der Mikoshi“, bei der mehr als tausend Männer mit „Happi“-Jacken (Kimonojacke aus Baumwolle) bekleidet einen Festschrein tragen.



Die „Yoiyama“, die Vorfeste zum „Yamaboko-Junkō“, bieten ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen, zum Beispiel werden die „Yamaboko“ für drei Tage auf den Straßen aufgestellt und lassen sich von innen besichtigen.
Beim „Byōbu (Stellschirm) Matsuri“ schließlich zeigen alte Familien und lang etablierte Läden ihre wertvollen Schätze wie Stellschirme, Gemälde, Kimonos und Kalligraphiearbeiten. Außerdem werden auf den Straßen Stände aufgebaut, die Snacks und Süßigkeiten verkaufen.

Die zweite „Yamaboko-Motivwagen-Parade“ am 24. Juli wird erst seit diesem Jahr (2014) nach einer 48jährigen Pause wieder abgehalten. Sie soll weniger und kleinere Motivwagen als die Parade am 17. Juli aufweisen.
Das „Gion Matsuri“ ist wirklich beeindruckend und ein außergewöhnliches Festival. Sollte man sich also im Juli in Kyôtô aufhalten, sollte man es sich nicht entgehen lassen.

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