Kodomo no Hi - „Tag des Kindes"

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Das frühere Knabenfest, das heute der Tag aller Kinder sein soll und doch vor allem immer noch für Buben ist.

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Kodomo no Hi (jap. 子供の日), zu Deutsch „Tag des Kindes“, ist einer von vier japanischen Nationalfeiertagen im Rahmen der „Golden Week“, einer Serie wichtiger Feiertage. Der Tag des Kindes findet jährlich am 5. Mai, zur Feier des Glücks und der Gesundheit der Kinder, statt.

Ursprünglich war dieser Tag unter dem Namen Tango no Sekku (jap. 端午の節句), also „Knabenfest“, bekannt und wurde vor allem von Kriegerfamilien begangen um die Stärke und den Charakter der Jungen zu feiern. 1948 beschloss man, den Tag zum Fest aller Kinder umzudeuten und zum nationalen Feiertag zu erheben.
Obwohl inzwischen zum „Tag des Kindes“ erklärt und somit eigentlich nicht mehr geschlechtsspezifisch definiert, sind die traditionellen Bräuche des Kodomo no Hi auch heute noch vor allem auf Jungen ausgerichtet.

Üblicherweise werden bunte Karpfenfahnen aus Papier und Windsäcke in Karpfengestalt, sogenannte Koi-Nobori (jap. 鯉のぼり), aufgehängt. Die Farben der Karpfen symbolisieren die Familienmitglieder. Ein schwarzer Karpfen (meist der größte), steht für den Vater als Familienoberhaupt, ein roter, meist kleinerer, für die Mutter und blaue für die Kinder. Die Anzahl der blauen Karpfen deutet meist auf die Anzahl der Kinder einer Familie hin.
Da jedoch ursprünglich ein Fest ausschließlich für Buben, standen auch die blauen Karpfen früher ausschließlich für die männlichen Kinder einer Familie. Und so werden auch heute oft nur Karpfen für die Söhne und nicht für die Töchter der Familie aufgehängt. Der größte Karpfen steht dabei für den ältesten, der kleinste symbolisiert den jüngsten Sohn.
Warum gerade Karpfen aufgehängt werden, hat mit deren symbolischer Bedeutung zu tun. Sie stehen für Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, da sie gegen den Strom schwimmen müssen. Zudem gibt es eine chinesische Volkssage, in der ein Karpfen es schaffte, einen Wasserfall hinauf zu schwimmen, woraufhin er sich in einen Drachen verwandelte. Daher steht der Karpfen auch für Erfolg.
Alles also Eigenschaften, die man in Japan besonders den Jungen wünscht, da das traditionelle Rollenbild des Mannes als Ernährer und Familienoberhaupt noch viel präsenter als in vielen westlichen Ländern ist.



Eine weitere Tradition, die diesen Wunsch nach Stärke ausdrückt, ist das zur Schau stellen von Krieger- und Heldenpuppen, musha ningyo (武者人魚). Eine beliebte Puppe zum Kodomo no Hi ist beispielsweise die des bekannten Sagenhelden Kintarō, der als Kind über ungewöhnliche Kraft verfügte. Da ihm zudem großer Mut und Aufrichtigkeit zugeschrieben wird, gilt er als eine Art Idealbild für Jungen. Häufig wird er auf einem Karpfen reitend dargestellt.
Auch traditionelle Kriegsgegenstände wie Pfeile, Bögen oder Schwerter werden präsentiert. Zudem wird oft ein Kabuto, ein von Samurai getragener Militärhelm, zur Schau gestellt.

Am Kodomo no Hi werden auch bestimmte Speisen verzehrt.
Dazu gehören in Eichenblätter gewickelte süße Reiskuchen (jap. Kashiwa-mochi) und in Bambusblätter gewickelte Reisklöße (jap. Chimaki).
Diese Speisen, so glaubte man früher, würden böse Geister fernhalten. Bambusblätter gelten zudem als sehr gesund. Die Kashiwa-mochi haben außerdem symbolischen Charakter, da die Blätter einer Eiche (jap. Kashiwa) nicht ausfallen, ehe sich nicht neue Triebe gebildet haben.

Als es sich bei diesem Feiertag noch um ein Fest zu Ehren der Jungen handelte, war es zudem üblich ein Bad mit Irisblüten oder -wurzeln zu nehmen. Die langen Blütenblätter symbolisieren Schwerter. Außerdem ist der Klang des Wortes Iris, auf Japanisch Shobu (菖蒲), der gleiche wie der der Vokabel, die „Sieg oder Niederlage bei einem Wettstreit"(勝負) bedeuten. Mit nochmals anderen Zeichen geschrieben kann es auch „militärisch" bzw. „kriegerisch" (尚武) meinen. Das Bad galt zudem als gesundheitsfördernd.

Über den Ursprung des Festes gibt es verschiedene, nicht belegte Theorien. Einigkeit besteht nur darin, dass das Fest wohl ursprünglich aus China kam und sich etwa in der Nara-Zeit (710-794) in Japan etablierte.
Eine verbreitete Theorie zu der Herkunft des Festes ist, dass es mit den go-sekku, den fünf (jap.: go) jahreszeitlich bedingten Festlichkeiten (jap.: sekku) aus China, übernommen wurde.
 

Um allerdings tatsächlich einen Wandel dieses Feiertages vom „Knabenfest“ hin zum „Tag des Kindes“ zu vollziehen, müsste sich noch einiges ändern. Die Veränderung geht sehr langsam voran und ob aus dem Kodomo no Hi wirklich einmal ein Feiertag für Mädchen und Jungen gleichermaßen wird, ist wohl eher zweifelhaft.

Es gibt zwar auch einen „Tag der Mädchen“, das Puppenfest Hina Mutsuri (雛祭り), das am 3. März stattfindet, doch ist er im Gegensatz zum Kodomo no Hi kein offizieller Feiertag ist.

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