Kurashiki - Alte Stadt mit Charakter

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Wer sich für malerische Altstädte begeistern kann und einen Blick aufs historische Japan werfen möchte, sollte einmal Kurashiki einen Besuch abstatten.

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In der Präfektur Okayama, im südwestlichen Gefilde der Honshu-Hauptinsel, liegt Kurashiki. Klingt die lose Übersetzung des Stadtnamens, „Dorf aus Lagerhäusern“, auch wenig poetisch, gilt Kurashiki heute doch als eine der schönsten Händlerstädte ganz Japans.

Bereits in der Edo-Periode (1603 – 1868) erlangte die Stadt eine große Bedeutung für den Reishandel. Um eben dieses wertvolle Gut einfacher zu transportieren, wurde ein Kanal errichtet, der noch heute als eine der Hauptattraktionen ganz Kurashikis gilt. Dank seines malerischen Aussehens mit den großen Weidenbäumen am Ufer und dem Verlauf direkt durch das historische Händlerviertel lädt er viele Besucher zu einem gemütlichen Spaziergang ein. Auch sind Bootsfahrten auf dem Gewässer möglich, wenn inzwischen auch ohne den Transport von Reissäcken.

Während der Meiji- (1868 – 1912) und Taisho-Periode (1912 – 1926) nahm der Einfluss europäischer Kulturen auf Kurashiki stetig zu: Es wurden Gebäude im westlichen Stil errichtet, die noch heute stehen und unter anderem das Ohara Museum für westliche Kunst oder die Touristen-Information beherbergen.

Neben dem Kanal gab es aber noch einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt der Stadt: die Spinnerei. Heute unter dem einfachen Namen „Kurabo“ bekannt, wurde das Unternehmen 1888 als „Kurashiki Bosekisho“ gegründet. Die Grundmauern des Gebäudes stehen noch heute und sind zu finden auf dem ehemaligen Spinnerei-Gelände, welches durch ein rotes Steintor zu erreichen ist. Das Gelände trägt den Namen „Kurashiki Ivy Square“, angelehnt an den üppig wachsenden Efeu, den man an vielen Gebäudewänden vorfinden kann. Auf diesem Gelände befinden sich neben dem ursprünglichen Firmengebäude, welches von innen besichtigt werden kann, auch noch weitere Museen sowie ein Hotel.

Modebegeisterte sollten sich nicht die sogenannte „Kojima Jeans Street“ entgehen lassen: Begrüßt von dem Straßenschild, welches eine riesige Jeanshose ziert, taucht man hier ein in ein Händlerviertel, welches sich voll und ganz der Produktion von Kleidung aus Jeansstoff verschrieben hat. Damit sind nicht nur Hosen, sondern unter anderem auch Jacken und Hüte gemeint! Auch sind hier einige der bekanntesten japanischen Jeanshersteller heimisch, wie etwa „Betty Smith“ und „Japan Blue Jeans“. Es gibt sogar die Möglichkeit, sich seine eigene passgenaue Jeans ganz individuell anfertigen zu lassen!

Wenn man von Kurashiki spricht, kommt man um einen Namen nicht herum: Kibi no Makibi. Er lebte von 695 bis 775 und war Staatsdiener wie Gelehrter. Als junger Mann ging er 717 im Rahmen eines Studiums nach China, 752 ein weiteres Mal, diesmal als 2. Botschafter. Von diesen Auslandsaufenthalten brachte er verschiedene Eindrücke mit in sein Heimatland, die heute als typisch für Japan gelten: So hat er sowohl die Kunst der Stickerei wie auch das beliebte Brettspiel Go importiert. Auch an der Entstehung der Silbenschrift Katakana soll er beteiligt gewesen sein. Kibi no Makibi zu Ehren wurde ein Park errichtet, welcher chinesische wie japanische Einflüsse miteinander kombiniert und im Nordwesten der Stadt zu finden ist.

Im Juli 2018 kam es im westlichen Teil Japans zu schweren Erdrutschen und Überschwemmungen. Der Norden Kurashikis war davon auch betroffen und erlebte teilweise eine äußerst zeitknappe Evakuierung. Etwa 30 Prozent des Bezirks Mabicho wurden durch die Wassermassen zerstört, das sind etwa 1.200 Hektar Land und 4.600 Behausungen. Den historischen Teil Kurashikis hat es jedoch verschont, weswegen einem Besuch nichts im Wege steht.
Übrigens: In den Abendstunden wird die Gegend unmittelbar am Kanal sowie am „Ivy Square“ stimmungsvoll beleuchtet, um das Gefühl vergangener Tage noch intensiver zu vermitteln. In den Sommermonaten hält die Beleuchtung bis 22:00 Uhr, in den Wintermonaten bis 21:00 Uhr an. Wer also einmal einen Abstecher nach Kurashiki plant, sollte sich für den Abend noch etwas mehr Zeit nehmen!

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